News/Informationen

07.04.2004

Zielstrebige Neuorientierung von Valora

Durchzogene Gesamtbilanz eines aussergewöhnlichen Geschäftsjahres – Zurückhaltend optimistische Beurteilung der Zukunft.
Die international tätige Schweizer Handelsgruppe Valora hat das von ausserordentlichen Ereignissen und einem schwierigen Marktumfeld geprägte Geschäftsjahr 2003 mit unterschiedlichem Erfolg gemeistert. Sonderkosten von CHF 49.1 Mio. im Zusammenhang mit der im vergangenen Sommer beschlossenen Fokussierung auf die Kerngeschäfte sowie im Zusammenhang mit einem Betrugsfall in Deutschland, vor allem aber massive Wertberichtigungen auf Beteiligungen im Umfang von CHF 172.4 Mio. belasteten jedoch Konzernabschluss und Bilanz. Der operative Gewinn (EBITA) sank auf CHF 95.1 Mio.(CHF 169.5 Mio.) und zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens schliesst das Geschäftsjahr mit einem konsolidierten Verlust von CHF -106.3 Mio. (95.9 Mio.). Die um die Sonderkosten und –effekte bereinigte Konzernrechnung zeigt zwar, dass Valora operativ den Erwartungen entsprechend gearbeitet hat, dabei allerdings einen Rückgang des Betriebsergebnisses (EBIT) auf CHF 115.4 Mio. (132.0 Mio.) in Kauf nehmen musste. Mit einer Eigenkapitalquote von 45,3 Prozent weist Valora nach wie vor sehr solide Bilanzstrukturen auf. Aufgrund der kaum geschmälerten betrieblichen Schlagkraft von Valora und ihrer weiterhin gesunden Bilanz schlägt der Verwaltungsrat der kommenden Generalversammlung die Ausschüttung einer unveränderten Dividende von CHF 9 pro Aktie vor.

Peter Küpfer, Präsident des Verwaltungsrates der Valora Holding AG, bezeichnete das operative Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres als „knapp genügend“. Der Verwaltungsrat habe sich nach einer Lagebeurteilung zu einer umfassenden Bereinigung der Vergangenheit entschlossen. „Wir wollten im Hinblick auf die grossen Chancen und Herausforderungen der Zukunft klare Verhältnisse schaffen.“ In der Tat musste das Unternehmen nicht nur die weitreichenden Konsequenzen aus einer Neubeurteilung von Beteiligungen und operativen Risiken verkraften, sondern parallel zum anspruchsvollen Tagesgeschäft auch die Devestitionen vorantreiben, die durch die beschlossene Fokussierung auf die Kerngeschäfte ausgelöst wurden. Diese Veränderungen im Beteiligungsportfolio führten auch zu einer Überprüfung der Führungs- und Organisationsstrukturen. Verwaltungsrat und Management sind für das laufende Geschäftsjahr zurückhaltend optimistisch, abgestützt auf eine intakte Ertragskraft und eine solide Bilanz, wieder auf den Gewinnpfad zurückzufinden.

Valora Retail, der umsatzstärkste, vom Kiosk-Absatzkanal geprägte Geschäftsbereich der Valora-Gruppe, spürte die schwache Konsumstimmung und den anhaltenden Preis- und Margendruck besonders deutlich. Trotzdem glitt der Nettoerlös nur leicht von CHF 1.51 Mia. im Vorjahr auf CHF 1.49 Mia. im Berichtsjahr zurück. Das Ergebnis (EBIT) wurde jedoch vor allem von den Folgen eines schweren Betrugsfalles im Bahnhofsbuchhandel sowie von Schliessungskosten (Spettacolo und Dolmetsch) in Deutschland belastet, was schliesslich zu einem Verlust von CHF -19.1 Mio. führte. Aufgrund der im Berichtsjahr erfolgreich vorangetriebenen Erschliessung neuer, attraktiver Standorte und einer Produktivitätssteigerung durch Reduktion der Personalkosten geht die Divisionsleitung jedoch davon aus, im laufenden Jahr wieder zufrieden stellende Resultate erzielen zu können.

Der Geschäftsbereich Valora Wholesale litt unter dem Verlust eines Grosskunden im Convenience-Bereich und unter den Auswirkungen der Veränderungen bei den Printmedien (Aufkommen der Gratis-Tageszeitungen und der aggressiveren Abonnementswerbung der Verlage). Das wirkte sich zwar auf die Nettoerlöse aus, die auf CHF 651.1 Mio. zurückgingen (CHF 706.5 Mio.). Die intensive Bewirtschaftung des Pressesortiments hatte jedoch messbare Kosteneinsparungen sowie eine leichte Verbesserung der Marge zur Folge. Das Betriebsergebnis der Division konnte letztlich mit CHF 28.5 Mio. (CHF 35.4 Mio.) gegenüber der Entwicklung der Nettoerlöse stabil gehalten werden.

Obwohl der Produktions- und Handelsbereich Valora Trade den weiter zunehmenden Preis- und Margendruck, ausgelöst und getrieben von aggressiven Discountern, deutlich spürt, gelang es der Division, den Nettoerlös auf CHF 930 Mio. (CHF 914 Mio.) und gleichzeitig die Bruttomarge leicht zu steigern. Der Rückgang des Betriebsergebnisses auf CHF 14.5 Mio. (CHF 36.0 Mio.) ist insbesondere auf die unbefriedigende Produktionsauslastung in verschiedenen Einheiten sowie auf kostenintensive Reorganisationsmassnahmen in Skandinavien zurückzuführen. Mit dem Zugewinn des exklusiven Vertriebs von neuen Global Brands bzw. der Erschliessung neuer, nationaler Absatzkanäle konnte die Wettbewerbsposition insgesamt verbessert werden.

Bei Valora Imaging entwickelten sich nach einem guten ersten Halbjahr sowohl der Umsatz mit CHF 186.1 Mio. (224.4 Mio.) als auch das operative Ergebnis mit CHF 27.4 Mio. (43.0 Mio.) stark rückläufig. Diese Division war in hohem Masse nicht nur von der Konjunkturschwäche betroffen, sondern auch von den Auswirkungen der Reiseunlust als Folge von Sars und Irak. Hinzu kommt ein heftiger Preiskampf unter den grossen Anbietern von Imaging-Dienstleistungen mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Margen. Gleichzeitig muss der Technologiesprung von der traditionellen zur digitalen Verarbeitung von Fotos geschafft werden –eine Herausforderung, die Valora Imaging bisher gut gemeistert hat. Bereits werden rund 10 Prozent des Umsatzes mit digitalen Produkten erzielt.

Peter Wüst, CEO von Valora, ist überzeugt davon, mit der von den Altlasten befreiten Bilanz, den günstigeren Kosten- und Organisationsstrukturen und nicht zuletzt dank einem leichten konjunkturellen Rückenwind im Jahr 2004 wieder deutlich in die Gewinnzone zurückkehren zu können. Zwar wird sich am hohen Druck auf die Preise und Margen nichts ändern, aber Valora ist in allen Divisionen heute besser darauf vorbereitet, mit diesem Druck umzugehen.

Der Devestitionsprozess kommt erfreulich voran und ermöglicht die verstärkte Konzentration auf das Kerngeschäft. Im Verlaufe dieses Jahres wird Valora auch mit dem Verkauf nicht betriebsnotwendiger Immobilien beginnen, was die traditionell gute Liquiditätssituation noch weiter verbessern wird. Valora hält denn auch an der Fortsetzung und am Fahrplan des im letzten Jahr eingeleiteten Devestitions- und Aktienrückkaufprogramms fest. Neben den geplanten Devestitionen im Rahmen der Fokussierungsstrategie schliesst Valora auch gezielte Akquisitionen zur Verstärkung der Kerngeschäfte nicht aus.