Special Interest plus Sachbücher

Das Presse-Grosso beklagt Einbußen bei Absatz und Umsatz sowie fehlende Kaufimpulse. Valora Retail Deutschland Geschäftsführer Lars Bauer relativiert die Befunde für den Bahnhofsbuchhandel.
Wird das Geschäft auch im Bahnhof zäher?
Die Umsätze gehen vor allem bei den Massentiteln zurück. Der Umsatzrückgang wird auch durch die Preispolitik der Verlage bei Neueinführungen beeinflusst. Die Rückgänge in diesem Segment merken Presse- Grosso und die kleineren Verkaufsstellen außerhalb der Bahnhöfe allerdings viel stärker. Bei uns wird das durch den Special-Interest-Bereich, in dem Bahnhofsbuchhandlungen ihre Stärken haben, stärker kompensiert.
Wie erklärt sich die gegenläufige Entwicklung?
Je allgemeiner die Information, desto leichter sind diese auch aus anderen Quellen zu beziehen. Die Massentitel sind einfach austauschbarer durch andere Medien geworden. Die nachwachsende Generation hat bekanntlich eine starke Affinität zum Internet und Handy und bezieht von dort viele Informationen. Davon sind Presseprodukte zwangsläufig betroffen. Auch wenn die ältere Generation dem Printprodukt treu bleibt, erleben wir insgesamt eine stagnierende bis schrumpfende Entwicklung. Das Dilemma im schmalspurigen Pressehandel: Es werden tausende neue Verkaufsstellen eingerichtet, etwa bei Discountern und in Lebensmittelgeschäften, ohne wirklich zusätzliche Umsätze zu generieren.
Was bedeutet das für den Bahnhofsverkauf?
Für uns ist es gar nicht schlecht: Je schmalspuriger das Presseangebot draußen in den Regalen ist, desto eher werden Fachverkaufsstellen gesucht. Wer Informationsbedürfnisse jenseits der Fernsehzeitschrift und Yellow-Press hat, muss mindestens einmal im Monat im Bahnhofsbuchhandel aufschlagen, um sich zu informieren.
Forcieren Sie neben den Special-Interest-Zeitschriften auch den Buchbereich?
Wir versuchen, unsere im Vergleich zum Sortimentsbuchhandel recht überschaubaren Buchflächen ständig zu optimieren. Wir schätzen das Buch seit jeher auch wegen der guten Margen, aber es gibt derzeit keine Strategie, der Presse Fläche zugunsten des Buches wegzunehmen und so unserer traditionellen Bezeichnung Bahnhofsbuchhandlung noch stärker gerecht zu werden.
Verändert sich denn die Zusammensetzung des Buchsortiments?
Wir setzen neben Romanen verstärkt auch auf Sachbücher und Ratgeber, auf Reiseführer und Eisenbahnliteratur naheliegenderweise, aber auch in den Bereichen, in denen wir eine Zielgruppe aufgrund der Zeitschriftenverkäufe erkennen. Das ist von Standort zu Standort unterschiedlich, aber durch eine geschlossene Warenwirtschaft gut auszuwerten.
Auszug aus "buchreport .express Nr. 38 · 20. September 2007
Lars Bauer
ist seit 1. Januar 2004 zusammen mit Matthias Gehle Geschäftsführer beim marktführenden Bahnhofsbuchhändler Valora Retail Deutschland.




